Warum solltest Du Balance finden? Dein Schlüssel zu Gesundheit, Wohlbefinden und Erfolg (Teil 2)

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Proaktiv Ihr Leben ins Gleichgewicht bringen – im Geiste der Salutogenese!

Im ersten Teil haben wir untersucht, welche wichtige Rolle psychologisches Wohlbefinden für die Gesundheit spielen kann. Indem wir uns eine Wohlfühlhaltung aneignen, können wir Stress reduzieren und unser Immunsystem im Gleichgewicht halten. Wir trafen auch jemanden, der den Krebs überlebt hat – Herrn O. –, und entdeckten, wie er seine Lebensweise geändert hat, um wieder gesund zu werden. (Den Link zum ersten Teil finden Sie hier.)

Im 2. Teil werden wir analysieren, was der Überlebende unternommen hat und warum das zum Erfolg geführt haben kann. Sie werden auch eine „Spaßübung“ lernen, die Sie gleich anwenden können, um Ihre eigene Wohlfühlhaltung einzurichten.

Unterstützende, „balancereiche“ Mittel, die man sofort einsetzen kann

Dr. Carol Ryff, Professorin für Psychologie an der Universität Wisconsin, führt Einstellungen und Charakteristiken auf, die sie die „sechs Dimensionen des Wohlbefindens“ nennt. Übernehmen Sie diese Dimensionen und verbessern Sie Ihre Wohlfühlhaltung:

  • Autonomie: Ich bin überzeugt von meiner Meinung, selbst wenn sie im Gegensatz zur allgemeinen Meinung steht.

  • Beherrschung der Umgebung: Generell bin ich Herr der Situation

  • Persönliches Wachstum: Ich glaube, dass es wichtig ist, neue Erfahrungen zu sammeln die mein Denken über mich und die Welt herausfordern.

  • Positive Beziehungen zu anderen: Personen würden mich als „gebende“ Person beschreiben, die stets gewillt ist ihre Zeit mit anderen zu teilen.

  • Sinn im Leben: Manche Menschen wandern ziellos durch ihr Leben, aber ich bin keiner von ihnen.

  • Sich selbst akzeptieren: Ich mag die meisten Aspekte meiner Persönlichkeit.

Anton Antonovskys Kohärenzgefühl ist „eine generalisierte Orientierung auf die Welt, die sie als ein Kontinuum wahrnimmt, als verständlich, handhabbar und bedeutungsvoll.“ 

Desweiteren ist die Stärke des Kohärenzgefühls eines Menschen „ein wesentlicher begünstigender Faktor in Richtung Gesundheit.“ 

In anderen Worten: Das Leben zu verstehen und zu fühlen, dass man (selbst) die Kontrolle darüber hat und zu wissen, dass das Leben eine Bedeutung hat, sind die Wege zu Gesundheit und zu Wohlbefinden. 

Ein Gefühl von Kohärenz umfasst drei Hauptaspekte:

  1. Der Glaube, dass Dinge in einer vorhersagbaren Weise geschehen, und dass man sie verstehen kann (Verständlichkeit).

  2. Der Glaube, dass man die Fähigkeit und Mittel besitzt, mit einer Situation umzugehen (Handhabbarkeit).

  3. Der Glaube, dass das Leben im Allgemeinen und das was man schätzt lebenswert sind (Sinnhaftigkeit).

Stress wird sowohl von Psychologen als auch von Medizinern als Hauptursache und als beitragender Faktor von mentalen wie auch physischen Krankheiten angesehen. Stress wird durch Emotionen wie Angst, Sorge oder Wut ausgedrückt und kann von vielen physischen Symptomen, wie z.B. Entzündungen, erhöhtem Puls oder verengten Blutgefäßen begleitet werden.

Die Einstellung und die Art zu leben, wie sie von Dr. Riffs sechs Dimensionen und Antonovskys Kohärenzgefühl beschrieben wird, unterstützt eine Wohlfühlhaltung und kann so Stress entgegenwirken. Dies ist nicht nur gut für die Gesundheit, z.B.für die Vorbeugung von Krankheiten, sondern auch essentiell für unser psychologisches Wohlergehen. 

Besuchen wir noch einmal unseren Überlebenden Herrn O.

Wie wir beim letzten mal entdeckten, hat Herr O. sich eine unerschütterlich robuste und proaktive Wohlfühlhaltung geschaffen, um seinen Krebs zu besiegen. Er hat alle sechs Dimensionen von Riff erreicht und ist in einen lebendigen Kohärenzzustand eingetreten.

  • Seine Situation ist für ihn verständlich: Er versteht, welche Mittel die besten für ihn sind um zu versuchen die Krankheit zu schlagen.

  • Er handhabt seine Situation, indem er einer gesunden Routine und Lebensweise folgt, und gleich von Anfang an hatte er einen Kampfgeist entwickelt: „Du kriegst mich nicht!“

  • Er schaffte Sinnhaftigkeit in seinem Leben: „Ich kann spielen, und es macht Spaß!“

Erreichen der Wohlfühlhaltung

Wie schon gesagt sind Achtsamkeitstraining, Meditation, Tai Chi oder ähnliche Aktivitäten bewiesenermaßen stressreduzierende Ansätze.

Lassen Sie uns das Phänomen von Stressreduzierung und Entzündungen näher untersuchen, indem wir einfach mal antizipieren eine stressreduzierende Übung durchzuführen (Projektion), und entdecken wir, wie wir dies zu einer unserer eigenen Ressource machen können.

Der positive Effekt von Antizipation könnte gut das Ergebnis von Sinneswahrnehmung bei der Arbeit sein. Indem wir uns vorstellen eine Übung zu machen, erinnern wir uns – entweder bewusst oder unbewusst – an unsere letzte Erfahrung mit der Übung. Währenddessen sind die Sinne des Sehens und Fühlens – und vielleicht sogar des Hörens – in der Jetzt-Zeit präsent, reaktiviert. 

Zum Beispiel bekommen Sie ein angenehmes Gefühl von Wärme während Sie eine Übung machen, und diese Wärme könnte während der Antizipation reaktiviert werden. Wenn dies der Fall ist, könnte diese Reaktivierung einer angenehmen Sinneswahrnehmung durch die Antizipation einer Übung für ein harmloseres Entzündungslevel sorgen und somit helfen, das Gleichgewicht im Immunsystem zu fördern. Dieser positive „Antizipationseffekt“ zur Minderung von Entzündungen wurde von Dr Schubert während seiner Präsentation auf der Salutogenesis Konferenz angeführt, die im ersten Teil dieses Artikels besprochen wurde.

Selbst wenn sich eine Person ihrer Sinneswahrnehmung nicht bewusst ist, kann der Effekt der Sinneswahrnehmung auftreten und die Handlungen und Meinungen einer Person beeinflussen. Tatsächlich sind sich Menschen oftmals nicht bewusst darüber, welche Sinne tatsächlich empfangen und was sie bewirken, bis sie bewusst darüber nachdenken. Und wirklich; wie oft haben Sie sich schon mit rotem Gesicht sagen hören: „Ich habe keine Ahnung, warum ich das gesagt oder getan habe?“ Das Verhalten war vielleicht gesteuert von Sinneswahrnehmungen! Sie waren sich vielleicht überhaupt nicht darüber bewusst, wie Ihre Sinne Ihr Verhalten herbeigeführt haben.

Aber die gute Nachricht ist, dass Sie sich oft darüber bewusst werden können, wie Sie und Ihre Sinne Dinge wahrnehmen, und Sie oftmals diese Sinneswahrnehmungen verändern können.

In einem Artikel unterstützt Dr Leiff, ein praktizierender Psychiater spezialisiert auf generische Psychologie und Neuropsychologie, die Vorstellung, dass Sinne, z.B. bei der Visualisierung eines zukünftigen Ereignisses, zukünftige Auswirkungen beeinflussen können. Der Artikel erklärt die Schlagkraft der Sinne der Visualisierung und der Kinästhesie (Bewegung und Gefühle), und wie diese „mentalen Ereignisse“ Hirnströme verändern, und das Geschehen beeinflussen können:

„Stellen Sie sich Hochsprung vor. Das Visualisieren eines erfolgreichen Sprungs erhöht die Chance auf Erfolg um 35%. Doch erstaunlicherweise gilt, dass wenn während der Vorstellung des zukünftigen Hochsprungs ein Arm bewegt wird, die Erfolgsquote auf 45% steigt.

Wie kann das sein?

Einem visuellen Gedankenstrang eine physikalische Bewegung hinzuzufügen erhöht die verstärkte Hirnaktivität noch weiter und macht sie noch stärker.“

Mit anderen Worten: Einen Sinn einzubeziehen (z. B. Visualisierung), während man ein Ereignis antizipiert, kann den Erfolg um 35% erhöhen, aber durch das Aktivieren eines zweiten Sinns – wie z. B. das Fühlen in Form von Armbewegungen – bekommt man einen zusätzlichen Bonus von 15%. Ich mag diese Quote. Ich bin dabei.

(Um zur Diskussion zu gelangen, wie Sie von der Feinjustierung Ihrer Sinneswahrnehmung profitieren können, lesen Sie hier meinen Artikel.)

Eine Studie von Dr Eleanor Maguire, Professorin für Neurowissenschaft am Universitätskolleg London, hat herausgefunden, dass Patienten mit Amnesie nicht in der Lage sind, sich zukünftige Ereignisse vorzustellen. Das heißt, ohne eine Verbindung zur Vergangenheit und respektiv gespeicherten Sinneseindrücken, welche wesentliche Ressourcen sind, können Menschen mit Amnesie nicht richtig in die Zukunft projezieren. 

Für einen Artikel auf der BBC-Website hat Autor David Robson Professor Eleanor Maguire zu der Idee der Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart interviewt:

Um Dr Maguire in eigenen Worten widerzugeben: Um 2005 herum haben Neurowissenschaftler begonnen zu realisieren, dass Erinnerung nicht wirklich etwas mit der Vergangenheit zu tun haben, sondern dass es darum geht, sich in der Zukunft angemessen zu verhalten. Sie sagt ferner:„Man muss sich selbst nach vorn projezieren um den besten Kurs für eine Handlung zu bestimmen.“

Wenn jemand nicht in der Lage ist zu projezieren, d.h zu antizipieren, wird es keine Unterstützung der sensorischen Wahrnehmung geben, welche auf vergangener Erfahrung basiert. Ohne Unterstüzung der Sinne werden die Chancen auf Erfolg minimiert, wie wir in dem Hochsprungbeispiel gelernt haben.

Machen wir eine Drehung

Der Vergangenheit einen neuen Dreh geben, eine Übung von Dr Richard Bandler aus seinem Buch Leitfaden zur TRANCE-formation, hat meinen Klienten geholfen, negative Emotionen aus der Vergangenheit in positive Emotionen und Energien für die Zukunft zu verwandeln. 

Das Folgende ist eine leicht gekürzte Version.

  1. Denken Sie an eine gewohnheitsmäßige Antwort oder Reaktion, die Sie gern verändern würden – z. B. die Selbstsicherheit zu verlieren, wenn Sie sie wirklich brauchen.

  2. Erinnern Sie sich an eine Zeit, als diese Situation eine Stressreaktion ausgelöst hat. Konzentrieren Sie sich auf dieses Bild. Achten Sie insbesondere auf das Gefühl, das es auslöst.

  3. Konzentrieren Sie sich auf auf das Gefühl. Stellen Sie sich vor, dass es sich zu bewegen und zu kreiseln beginnt. In welche Richtung dreht es sich? Jetzt, angenommen Sie sehen wie sich das Gefühl bewegt, in eine bestimmte Richtung drehend. In welche Richtung dreht es sich?

  4. Als nächstes folgen Sie diesem Gefühl zurück zur Quelle. Zum ersten bedeutenden mal als es aufgetaucht ist. Falls Sie diesen Punkt nicht ganz genau finden ist es in Ordnung. Bewegen Sie sich einfach nach in Ihrer Erinnerung dorthin zurück, Schritt für Schritt, bis Sie zum Halten kommen.

  5. Werden Sie sich des Gefühls bewusst, und diesmal verbinden Sie Endpunkt und Anfang und drehen Sie das Gefühl in die entgegengesetzte Richtung. Dies wird das Gefühl enorm verbessern.

  6. Gehen Sie einen Schritt zurück in der Zeit zu dem Moment, kurz bevor dieses Gefühl zum ersten mal aufgetreten ist. Fahren Sie damit fort, das Gefühl in die entgegengesetzte Richtung zu drehen, immer schneller und schneller, und lassen Sie das Gefühl durch Ihren gesamten Körper strömen. Jetzt bewegen Sie sich nach vorn, durch jede aufeinanderfolgende Erfahrung des Gefühls auf Ihrer Zeitlinie, und erlauben Sie jeder dieser Erfahrungen, durch die „neue Drehrichtung“ umgeschrieben zu werden. Tun Sie dies schnell, bis Sie beim jetzigen Zeitpunkt angekommen sind.

  7. Kontrollieren Sie, wie Sie jetzt zu ihrer unerwünschten Antwort oder Reaktion stehen. Wenn es sich noch immer zu stark anfühlt, wiederholen Sie die Schritte 6 und 7, bis Sie glauben, das Gefühl habe seine Stärke verloren.

Oft finden meine Klienten, dass die negative Emotion eine positive wird, welche zusätzliche Energie geben kann. Sie können die Übung auch ausweiten, indem Sie z. B. dem Gefühl eine andere Farbe, Form oder einen anderen Klang geben, und dann wiederholen Sie die Übung mit irgendeiner dieser unterschiedlichen Eigenschaften.

Die Idee hinter dieser Übung ist es, die Kontrolle über Gefühle zu verbessern und ein Gefühl von Handhabbarkeit, von Machbarkeit, zu erschaffen. (Erinnern Sie sich an das Kohärenzgefühl?) Mit dem Lernen ist es wie mit jeder anderen Fertigkeit auch: Übung macht den Meister. Diese Übung zu wiederholen kann ihre Wirksamkeit erhöhen.

Das oben genannte ist eine Kurzfassung der Übung Der Vergangenheit einen neuen Dreh geben aus dem Buch Leitfaden zur TRANCE-formation von Dr. Richard Bandler.

Zusammengefasst

Psychologisches Wohlbefinden kann einen positiven Einfluss auf unsere physikalische Gesundheit haben, indem wir Stress bekämpfen und unserem Körper helfen, das Immunsystem im Gleichgewicht zu halten. Ein Ungleichgewicht im Immunsystem kann zu Entzündungen führen, welche eine Lawine von ernsthaften Gesundheitsproblemen auslösen können. 

Psychologisches Wohlbefinden kann unterstützt werden durch das Einrichten einer Wohlfühlhaltung, indem wir uns darauf konzentrieren, einen Kohärenzzustand zu erreichen, ebenso wie die sechs Dimensionen des Wohlbefindens. Glauben Sie, dass Ihr Leben von Bedeutung ist, dass Sie das Leben verstehen, und dass Sie die Fähigkeit haben Ihre Angelegenheiten zu regeln.

Versuchen Sie, Ihr Leben unter Kontrolle zu bringen. Glauben Sie daran, der Herr über Ihren eigenen Körper zu sein. Zeigen Sie Kampfgeist anstatt Resignation. Vermeiden Sie es zu denken, dass was passiert „einfach Schicksal“ ist, und vermeiden Sie es, passiv Negativität in Ihrem Leben zu akzeptieren. 

Machen Sie es zu Ihrer höchsten Aufgabe, diese Prinzipien auf alle Lebensbereiche anzuwenden: Ihre Ernährung, Familie, Freunde, Karriere und das körperliche Wohlergehen – und machen Sie sich bereit für den Start!


Literaturhinweise

The salutogenic model as a theory to guide health promotion Aaron Antonovsky Health Promotion International, Oxford University Press 1996

Psychology Today, 15th May 2014, Professor Carol Ryff’s Six Domains of Psychological Well-Being

Five Things Alice in Wonderland reveals about the brain, BBC Website, author David Robson, 25th February 2015 http://www.bbc.com/future/story/20150225-secrets-of-alice-in-wonderland

Guide to Trance-Formation by Richard Bandler, HarperElement 2010

Dr Lieffs Webseite und Blog: http://jonlieffmd.com/ und http://jonlieffmd.com/blog/neuroplasticity-primer-and-update