Erzählst du eine Story…mit Mutter Natur als deine Muse. Story-Telling Tricks au naturel. Die Story von Barbara B., erfolgreiche Führungskraft und Ingenieurin.

Kannst du deine eigene Geschichte schreiben, mit Mutter Natur als deine Muse?

Ist Mutter Natur deine heimliche kreative Verbündete?

Erzählkunst und Metaphern von Mutter Natur selbst

Die Story von Barbara B., Führungskraft

“Die Hauptprobleme dieser Welt resultieren aus dem Unterschied heraus, wie die Natur arbeitet, und wie Menschen denken.” - Gregory Bateson

(The major problems in the world are the result of the difference between how nature works and the way people think.” –Gregory Bateson)

Unsere Denkprozesse und Neurologie erfinden und reagieren auf Geschichten.

Im Leben geht es nicht nur darum, sich selbst zu entdecken, sondern im Leben geht es vielmehr darum, sich selbst zu kreieren und neu zu erschaffen, damit du immer wieder deine Story neu schreiben kannst.

Das Bedürfnis danach etwas zu erschaffen ist eine instinktive, natürliche Kraft, wie unser Überlebensinstinkt. Darum besitzt jeder Mensch die Fähigkeit zur Kreativität. Unsere Neurologie ist so verdrahtet, dass, obwohl sie eigene Muster und Konzepte erschaffen kann, sie dich braucht, ihre führende Kraft, um dies zu deinem Vorteil arbeiten zu lassen. Wenn du es nicht tust, wird es jemand anderes tun, oder etwas anderes.

Alles verändert sich so rasch, dass es manchmal so erscheint, als ob wir alle im Wirbelwind einer turbobetriebenen Entdeckungsexpedition gefangen sind.

Wir hatten noch nie so viele neue Informationen, wortwörtlich immer zur Hand, nur einen Mausklick entfernt.

Wenn wir mit neuen Informationen konfrontiert werden, müssen wir unser Leben und unsere Perspektiven oft komplett umgestalten, und das natürlich auf einer Vielzahl von Ebenen!

Es ist bereits jetzt der Fall, dass die meisten von uns neue Berufe erlernen müssen. Wir erweitern unsere Fähigkeiten und bilden uns routinemäßig weiter. Dies führt in den meisten Fällen dazu, dass wir uns etwa alle 7-10 Jahre komplett neu erfinden und das alte Selbst über Bord werfen müssen.

Diese Störungen bedeuten natürlich, dass Kreativität unerlässlich ist! Tatsächlich ist sie sogar die ultimative Notwendigkeit: Es ist sowohl ein Talent, als auch harte Arbeit, und alles dazwischen. Es ist die sine qua non des Überlebens, die Bedingung ohne die nichts geht.

Wie einige meiner Klienten und ich herausgefunden haben, kann es helfen “die Natur nachzuahmen”, um “kreative Lösungen” zu finden und neue Ideen zu stimulieren.

Wenn man über unsere chaotische Welt in Kraut und Rüben nachdenkt, sollte man auch an die Natur denken: Wie erreicht die Natur solch brilliante Kreationen, und wie schafft sie es, mit Wandel so elegant und lebhaft umzugehen?

Fallstudie: Barbara B

Grashüpfer vs. Heuschrecken, Gemeinschaftsgeist, Insektenschwärme vs. das menschliche Gehirn... ihr wisst schon, solche Sachen.

Wir alle haben schonmal von der Verwüstung und Zerstörung gehört oder gelesen, die Heuschreckenschwärme bringen können, weil sie alles in ihrem Weg dem Erdboden gleich machen.

Heuschrecken sind aggressiv, ehrgeizig, furchtlos und sehr extrovertiert. Ein Gegensatz im Insektenkönigreich wären die Grashüpfer, bekannt als introvertiert, schüchtern, und sie verstecken sich sogar vor anderen Grashüpfern.

Darum sind viele Menschen ganz schön überrascht zu erfahren, dass Heuschrecken eigentlich Grashüpfer sind, die eine enorme Verhaltensänderung vorgenommen haben. Unter bestimmten Umständen, wie z.B. Dürre, rotten sich Grashüpfer eng zusammen, um sich die letzten Bissen Nahrung zu teilen. Während sie das tun, erhöhen sie den physischen Kontakt zu einander und ihre haarigen Hinterbeine beginnen zu kitzeln, was wiederum eine Ausschüttung von Serotonin verursacht. Diese berauschte Zustand führt zu einer werwolfartigen Metamorphose, welche die Insekten dazu bringt, ihre Farbe zu ändern, mehr zu essen, sich gegenseitig interessant zu finden, und sich unablässlich zu vermehren.

Laut Professor Peter Kruse sind zwei der größten Erfindungen der Natur das menschliche Gehirn und die kollektive Intelligenz eines Schwarms. Es liegt in der Natur dieser Erfindungen, Kreativität zu entfachen und zu ermöglichen.

Er glaubt, das menschliche Gehirn sei ein „komplexes und dynamisches System, welches uns dazu befähigt mit komplexen dynamischen Systemen zu leben. Das heißt, nur weil unser Gehirn unberechenbare Dynamiken produziert sind wir in der Lage, uns irgendwie an unberechenbare Dynamiken anzupassen. Das Gehirn ist eine großartige Erfindung der Natur, das mit Launen umgehen kann. Die andere großartige Erfindung der Natur ist die kollektive Intelligenz die von Schwärmen geschaffen wird, was mindestens eine ebenso großartige Leistung von Intelligenz ist. Es gibt im Grunde nur zwei durchsetzungsfähige Mechanismen, und einer davon ist der des kolonialen Insekts. Insekten kommen auf der ganzen Welt vor und sind als Spezies unglaublich erfolgreich... Sie haben ein dynamisches und komplexes System wie Menschen, und der einzige Unterschied ist, dass das Ergebnis aufgrund einer Vielzahl an Individuen erzielt wird, anstatt von nur einem. Aber das Prinzip ist dasselbe: Es ist hoch interaktiv, hat einen effizienten Feedbackmechanismus und kann Ordnungsmuster erschaffen.”

Als ich über den Schwarmeffekt nachdachte, musste ich an Teamwork denken. Der “Schwarmeffekt “ ist in sich bereits sehr stark, aber wenn man ihn noch einen Schritt weiter bringt und mit der großen Leistung menschlicher Intelligenz vereint, so kann das menschliche Gehirn und ein Team ein reiches Leistungspotential erreichen, sofern natürlich die Chemie stimmt.

Auftritt Barbara – Geschäftsführerin einer Feinmechanik Firma.

Barbara studierte Maschinenbau und war die einzige weibliche Studentin in einer Klasse von 150. Sie übernahm vor vor 30 Jahren die Firma von ihrem Vater und hat sich seitdem nur Kurzurlaube gegönnt. (Unter uns glaube ich nicht, dass sie jemals Urlaub hatte, aber....)

Barbara weist das Problem auf einer dieser Workoholics zu sein, die sich sowohl weigern einen richtigen Urlaub zu machen, als auch irgendetwas aus der Hand zu geben. Sie ist davon überzeugt, dass ohne ihre Anwesenheit die Firma zu Staub zerfallen wird. Nach einigen schwerwiegenden Gesundheitswarnungen durch eine Reihe von Spezialisten sah sie ein, dass sie sich wohl einen etwas ruhigeren Lebensstil aneignen müsse, und so suchte sie nach neuen Perspektiven.

Ich fragte sie, ob sie wüsste wer Richard Branson ist. Sie kannte ihn als den extravaganten Gründer der Virgin Gruppe, aber sonst nichts. Ich gab ihr die Aufgabe, etwas über Bransons Meinung zum Thema Delegieren herauszufinden. Sie war überrascht zu erfahren, dass Branson aufgrund von Legasthenie dazu gezwungen ist, viele Aufgaben an andere zu übertragen, da sie sonst nicht richtig erledigt werden. In der Tat schreibt Branson einen großen Teil des kometenhaften Aufstiegs von Virgin seinem Delegieren zu.

Die Maßnahme bezog sich auch darauf, wie aus schüchternen, unschuldigen Grashüpfern hervorragende Leistungsbringer in einem Schwarm werden: Grashüpfer sind ein Team von Leuten mit einem großen Synergiepotential.

Ihr Gesichtsausdruck, als ich Grashüpfer und Heuschrecken erwähnte, war unbezahlbar!

Ich schlug vor, sie sollte mit einem kleinen Schwarm anfangen, mit wenigen Angestellten denen sie vertraute und die sie mochte, und ihnen zunächst ein paar eher unwichtige Aufgaben abzugeben. Die Idee dahinter war, dass wenn der erste Dominostein erst einmal gefallen war, die anderen oft folgten.

Barbara und ich sprachen über die Zeit als sie die Firma von ihrem Vater übernommen hatte. War er auch so kleinlich mit dem Delegieren? In einer fast zitternden Stimme gab sie zu, dass ihr Vater ein sehr effizienter Delegierer war, sonst wäre sie nicht wo sie heute ist. Dann schlug ich vor, dass sie sich in Erinnerung rief, wie er delegiert hat – seine Kommunikation, Körpersprache usw. Langsam schaffte sie es zu delegieren, ohne über irgendjemandes Schulter zu schauen. Während sie auf der Suche nach dieser Information war, erinnerte sie sich daran, wie viel Disziplin und Entschlossenheit sie für ihr Studium gebraucht hatte. Es war ein Fach gewesen, für das sie sich nicht wirklich begeistert hatte, aber Maschinenbau “lag nun einmal in der Familie”. Sie erinnerte sich daran, wie es ihr damals geholfen hatte, eine Studiengruppe mit anderen Studenten zu gründen. Mit dieser Erinnerung im Kopf begann sie, zu delegieren.

Wir nahmen uns daran ein Beispiel in Bezug auf ihren Urlaub. Sie willigte ein paar mal ein, sich ein paar Tage mitten in der Woche frei zu nehmen und NICHT am Wochenende zu arbeiten! Wir fingen klein an und sahen fröhlich zu, wie die anderen Dominosteine fielen.

Barbara ist seither entspannt genug geworden, um regelmäßig zu meditieren und ihrem Leben einen gesunden Schwung zu geben.

Zusätzliche Coaching Tools wurden dann in angemessener Form eingeführt.

Gleich von Anfang an war es Barbara, die die Zügel der Veränderung in die Hand nahm und ihre Pferde in die für sie gute Richtung brachte.

Großes Finale

Barbara konnte ihre eigene neue Geschichte schreiben, indem sie zwei Schlüsselübungen anwandten: Erstens ahmte sie Modelle in der Natur nach. Zweitens (wieder-)entdeckte sie die Möglichkeiten, die sie schon besaß und auch zuvor benutzt hatte.

Sie ist wirklich die Heldin ihrer Geschichte.

Bitte nicht vergessen:

Im Leben geht es nicht nur darum, sich selbst zu entdecken, sondern im Leben geht es vielmehr darum, sich selbst zu kreieren und neu zu erschaffen, damit du immer wieder deine Story neu schreiben kannst.

Liebe Leser,

Jetzt ist es Zeit für eine Aufgabe: Denkt an etwas, das ihr erreichen möchtet und denkt euch dabei in die Natur hinein. Welches Model oder welche Situation könnt ihr da finden? Denkt dran: Mutter Natur lässt sich von euch gern in die Karten sehen. Während ihr das macht erwischt ihr vielleicht ja sogar ein paar eurer eigenen verlorenen Möglichkeiten beim Seifenopern schauen.

Ich würde mich wirklich freuen, von euren Erfahrungen zu hören! Schickt mir einfach eine Email. Eure Antworten werden in äußerster Vertrautheit behandelt.

Nachtrag: Klientennamen wurden geändert um ihre Identität zu schützen.

Quellenverzeichnis

Links über Richard Branson

https://www.dyslexicadvantage.org/richard-bransons-advice-to-dyslexics/

https://www.youtube.com/watch?v=bgHH7ZxWO5k

Heuschrecken und Schwärme

https://en.wikipedia.org/wiki/Locust

Professor Peter Kruse – (1955-2015) war ein deutscher Psychologe und unterrichtete Organisatorisches Verhalten an der Universität Bremen.

Link zum Interview mit Professor Kruse (in German)

https://www.youtube.com/watch?v=oyo_oGUEH-I